Europa|update

Benedikta Seitz, Klasse 10c, hat online an einem „Schülerdialog“ zum Thema Europa teilgenommen. Veranstaltet wurde der Dialog von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Hier die ausformulierten Notizen und Inhalte Benediktas – offensichtlich war die Veranstaltung ziemlich inhaltsdicht gestrickt…

Am neunten Mai wurde wie jedes Jahr wieder Europa-Tag gefeiert. Aber wo steht die Europäische Union eigentlich gerade? Dieser Frage ging Prof. Dr. Daniel Göler vom Jean-Monnet-Lehrstuhl für europäische Politik der Universität Passau in seinem Vortrag „europa|update“ nach, in dem er auch die Geschichte der EU genauer beleuchtete.

Denn diese reicht weiter zurück, als die meisten von uns dachten: Bereits nach dem Ersten Weltkrieg wurde klar, dass im Zusammenleben der europäischen Staaten eine Veränderung hermuss: Eine Kooperation der Nationalstaaten innerhalb einer europäischen Gemeinschaft würde nicht nur Konflikte untereinander verhindern, sondern würde Europa auch weltpolitisch relevant halten. Denn durch die Machtverschiebung – ausgelöst durch den Ersten Weltkrieg – war nun nicht mehr Europa, sondern vielmehr die UdSSR und USA von größter Wichtigkeit.

Dieser Idee kam jedoch etwas dazwischen: der Zweite Weltkrieg. Doch selbst während des Naziregimes wurde die europäische Idee nie gänzlich in den Hintergrund verdrängt, sondern vor allem von Widerstandsbewegungen, wie der Weißen Rose, immer wieder als Vision aufgegriffen. 

Nach dem 2. Weltkrieg stellte sich die Frage: was nun? Die wiederholte Friedensgefährdung durch Deutschland machte Frankreich klar, dass, anders als bisher angenommen, repressive Mittel wie der Versailler Vertrag nicht zuverlässig verhinderten, dass Deutschland auch in Zukunft keine Gefahr darstellen würde. Und so kam die Erkenntnis, dass Deutschland integrativ eingebunden werden muss. Das hieß, es zwar weiterhin zu kontrollieren, aber durch Kooperation und nicht „von außen“, wie vorher. Der Plan war es, eine zunächst rein wirtschaftliche Zusammenarbeit an einem konkreten Projekt zu beginnen, welche sich ausweiten sollten und so langsam aber sicher auch zu einer politischen Kooperation werden sollte.

Das wurde mit dem Schuman-Plan dann auch in die Tat umgesetzt. 1952 wurde der Grundstein für die heutige EU gelegt, indem die europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl gegründet wurde, was ein geradezu genialer erster Anknüpfungspunkt war. Denn die angesprochenen Materialien sind v.a. für eines wichtig: Ihre Verarbeitung zu Kriegsmaterial. So wurde direkt in der allerersten Kooperation sichergestellt, dass kein Staat geheim aufrüsten konnte, was Krieg untereinander praktisch unmöglich machte.

So werden einige der Gründe für die Gründung der Europäischen Union erkennbar: Von Anfang an sollte sie nie nur ein Wirtschaftsbündnis sein. Einerseits war sie ganz einfach ein sicherheitspolitisches Mittel. Darüber hinaus hat die Bildung der EU aber auch kulturelle Gründe. Zum einen sollte sie als Identifikationsobjekt dienen, und so an die bisherige Stelle der Nationalstaaten treten, um den immer wieder aufkommenden Nationalismus vorzubeugen. Heute kommt dieser kulturelle Aspekt vor allem in Form von der Durchsetzung gemeinsamer Ideale und Werte in der Welt zum Vorschein, was nur als geschlossene Gemeinschaft möglich ist.

Nichtsdestotrotz ist die Europäische Union nicht fehlerfrei. Das wurde auch in der anschließenden Fragerunde klar, in der Schülerinnen und Schüler teils sehr kritische Fragen zum aktuellen Stand der EU stellten. Unter anderem wurde der Umgang mit Staaten wie Polen und Ungarn, die oft mangelnde Transparenz von Vorgängen innerhalb der EU, sowie die Auswirkungen des Brexits angesprochen.

 

Insgesamt bin ich sehr froh, an diesem Format teilgenommen haben zu dürfen. Denn mit einem grundlegenden Verständnis der Geschichte der Europäischen Union sind ihre aktuellen Ereignisse in einen größeren Kontext setzen und somit deutlich verständlicher. Denn natürlich hat auch die EU einige Probleme, die anzugehen sind. Dennoch sollte man ihre Grundgedanken und Erfolge, welche sich oft eher subtil äußern, nicht aus den Augen verlieren. Und damit ist es vielleicht etwas einfacher, nicht nur hinsichtlich der Europäischen Union, optimistisch und trotzdem -oder gerade deswegen- zielorientiert in die Zukunft zu gehen.

Benedikta Seitz

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