Internationaler Schüleraustausch mit dem Bayerischen Jugendring

Durch die Vermittlung des Bayerischen Jugendrings haben Jugendliche beispielsweise die Möglichkeit, für zwei bis drei Monate eine Schule im Ausland zu besuchen und dort in einer Familie zu leben. Die Organisation bietet Aufenthalte in englisch-, französisch- und spanischsprachigen Ländern an.

Drei Schülerinnen der 10. Klasse waren auf Anhieb von diesem Angebot begeistert und bewarben sich erfolgreich für den individuellen Schüleraustausch mit Argentinien. Nach ihrer Rückkehr schildern sie ihre Eindrücke.

 

10 Wochen Argentinien – ein unvergessliches Erlebnis

10 Wochen. 12 000 km. Fremdes Land. Fremde Familien. Fremde Kultur. Ein Erlebnis, das man nie vergisst. Als wir uns am 8. März auf den Weg zum Flughafen machten, wussten wir nicht, was uns erwarten würde. Und das, obwohl uns unsere Austauschschüler davor schon für zehn Wochen besucht haben. Schon diese zehn Wochen waren ein aufregendes Erlebnis und haben neue Erfahrungen mit sich gebracht. So lange eine fremde Person im Haus leben zu haben ist nicht immer leicht, vor allem an Tagen wie Weihnachten, die doch meist sehr familiär sind Trotzdem hatten wir schon hier in Deutschland eine schöne Zeit und unsere argentinischen Mädchen haben sich schnell in unseren Familien eingelebt.

Viel spannender wurde für uns aber dann unsere Zeit in Argentinien. Mit jeder Stunde im Flugzeug wurden wir aufgeregter und als wir nach mehr als 13 Stunden Reise endlich in Buenos Aires gelandet sind, war die Freude groß, unsere Austauschpartner wiederzusehen, noch größer aber im Hinblick auf das Abenteuer, das uns bevorstand.

Da wir alle drei in verschiedenen Familien lebten, besuchten nur Beate und Vroni dieselbe Schule und wohnten in der gleichen Stadt. Und obwohl die Entfernung zwischen uns beiden und Serena nicht so groß war, konnten wir uns in den zehn Wochen nur zwei Mal sehen. Dadurch haben wir alle ganz unterschiedlichen Dinge erlebt, konnten aber auf jeden Fall alle drei einige Unterschiede zu Deutschland feststellen. Angefangen bei der Begrüßung und Verabschiedung, welche nie ohne Wangenkuss ablaufen sollten, über unvorstellbar riesige Partys für die 15ten Geburtstage der Mädchen, 4 Mahlzeiten (und das Abendessen erst zwischen 9 und 10), große Kontraste zwischen der großen Stadt Buenos Aires und den angrenzenden Armenvierteln, viel freundschaftlichere Lehrer-Schüler-Beziehungen und Schuluniformen, bis hin zu Zäunen vor jedem Haus und meist vier Türen mit mehreren Schlössern. Die letzten beiden Punkte zeigen die Unsicherheit in Argentinien. Durch die momentane Wirtschaftskrise und die enorme Inflation kommt es immer mehr zu Unzufriedenheit der Bürger und damit auch zu Überfällen und Einbrüchen. Alleine dort herumzulaufen ist die absolute Ausnahme und nachts wäre das schon gar nicht vorstellbar. Das Handy sollte man auf jeden Fall immer gut und sicher verstauen und niemals die Taschen oder Rücksäcke irgendwo abstellen. Aber solange man aufmerksam und umsichtig ist, geht man der Gefahr gut aus dem Weg.

Unsere Erlebnisse reichen von Besuchen am Meer, einigen Ausflügen nach Buenos Aires, Festivals, verschiedenen Städtetouren und Events bis hin zu Partys und zum Beispiel bei Beate ein Ausflug auf ein Hoteldach, um bis nach Uruguay zu sehen oder bei Vroni ein Kurzurlaub zu den Iguazú-Wasserfällen und damit auch ein Tag in Brasilien.

Natürlich brachte diese Reise auch bedeutende Verbesserungen für unser Spanisch und sogar der argentinische Dialekt hat sich bei uns eingeschlichen. Nach einigen Schwierigkeiten am Anfang konnten wir uns nach wenigen Tagen problemlos verständigen und kamen schnell mit unseren Klassenkameraden in Kontakt. Neben neuen Freundschaften haben diese zehn Wochen auf jeden Fall viele fröhliche Momente mit sich gebracht.

Die vielen, bis auf wenige Ausnahmen schönen Erlebnisse werden wir niemals vergessen, künftig von der dazugewonnenen Selbständigkeit und persönlichen Weiterentwicklung profitieren und immer sonnige Gedanken an Argentinien und seine unglaubliche Vielfältigkeit haben.

Abschließend können wir nur jeden dazu ermutigen, die Chance für so einen Austausch zu nutzen und bei Gelegenheit auf jeden Fall nach Argentinien zu reisen, um sich selbst ein Bild von diesem wunderschönen Land zu machen.

Serena Kratzer, Beate Zeller & Veronika Schuster

Es zeigt sich immer wieder, dass ein Schüleraustausch eine zentrale und zugleich nachhaltige Erfahrung im Leben vieler junger Menschen darstellt. In vielen Fällen bildet die komplexe Erfahrung die Grundlage einer interkulturellen Handlungskompetenz, die in der zunehmend globalisierten Welt eine Schlüsselqualifikation, insbesondere im Berufsleben, darstellt. Studien zu den Langzeitwirkungen von kurzfristigen und längeren Auslandsaufenthalten im Rahmen eines Schüleraustausches haben ergeben, dass diese Teilnahme erhebliche positive Auswirkungen auf die Persönlichkeit und die Biografie hat. Dazu gehört vor allem ein Zuwachs an

  • Selbstsicherheit
  • Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
  • sozialer Kompetenz
  • Offenheit für neue Erfahrungen
  • interkultureller und fremdsprachlicher Kompetenz
  • Identitätsbildung

Quelle: Broschüre See the World, Bayerischer Jugendring