Wir waren nicht in der Lage, uns zu positionieren“ – Natascha Kohnen (SPD) im AK PuZ

Erstaunlich viel an Selbstkritik bekommen die Schüler da zu hören! Am 30.11.2018 war Natascha Kohnen, Spitzenkandidatin der Bayern-SPD in der Landtagswahl vom Oktober 2018 und Stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende, im Arbeitskreis „Politik und Zeitgeschichte“ (AK PuZ) zu Gast. Kurz zuvor hatte sich auch noch der „Bayerische Rundfunk“ mit einem Kamerateam angekündigt, das Frau Kohnen für einen Beitrag für das Politmagazin „Kontrovers“ begleiten sollte.

Schon in ihrem Einleitungsvortrag spricht Frau Kohnen viele Punkte an, die aus ihrer Sicht zum „verheerenden Wahlergebnis“ der SPD beigetragen habe: Die Vernachlässigung von Themen wie Nachhaltigkeit und Klima, mangelnde Glaubwürdigkeit bzw. der „Ballast“ durch Hartz IV, was die Menschen der SPD bis heute nicht verziehen hätten, und v.a. auch die fehlende Vermittlung von Zuversicht, was die Grünen ihr zufolge viel besser hinbekämen. Sie spricht von einem „radikalen Neustart“ der Partei, die unbedingt „jüngere Leute ranlassen“ müsse. Zwar sollten Ältere sehr wohl das Rückgrat bilden, aber „wir brauchen neue, unverbrauchte Gesichter“. Die anwesenden und gut vorbereiteten Schüler stellten trotz der Einsichten weitere unbequeme Fragen, etwa zu einer evtl. fehlenden Medienpräsenz bzw. ihr eigener fehlender Bekanntheitsgrad. Da habe die Nichtberücksichtigung im TV-Duell arg geschadet, meint Frau Kohnen. Zudem vermuten die Schüler, ob sich die Partei nicht auch in Berlin zu sehr „rumschubsen“ lasse und nicht genug einstehe für ihr wichtige Inhalte. Sie habe, so bringt es ein Schüler auf den Punkt, aktuell „zu wenig Profil“. Auch dies gesteht Frau Kohnen zu. Die SPD müsse tatsächlich ihr eigenes Profil schärfen und macht deutlichen Nachbesserungsbedarf in der Außenwirkung der Partei und der von ihr erreichten Ziele aus.

Auf die Frage nach den notwendigen Eigenschaften eines Politikers antwortet Frau Kohnen: „Klingt kitschig, aber Sie müssen Menschen echt mögen.“ Das tut sie – daran besteht kein Zweifel, auch aufgrund dieses menschlichen, ehrlichen Auftretens im AK PuZ. Problem sei aber, dass die Menschen sie und die SPD durchaus mögen, sie deswegen jedoch noch lange nicht wählen. Vielleicht hat sie Recht, wenn sie auf die Frage einer Schülerin, ob eventuell ihr Wahlkampf „zu leise“ gewesen sei, antwortet: „Ich kann sehr scharf werden.“ Bei der Causa Maaßen sei ihr etwa „der Kragen geplatzt“, doch deswegen müsse sie ja „nicht rumpoltern.“ Gepoltert wurde auch bei ihrem Auftritt im AK PuZ nicht – wie ihr Weg und der ihrer Partei weitergeht, werden wir jedoch aufmerksam verfolgen. Der Beitrag im „Bayerischen Fernsehen“ war übrigens am 07.12.2018 in „Kontrovers“ zu sehen und kann über die Mediathek des Senders noch einmal angesehen werden.