„Die Schule der tausend Hausmeister“? Jobshadowing in Falkenberg/Schweden

Vom 12. bis 18.4.26 durfte ich im Rahmen des Erasmus+ Programms an einem Jobshadowing an der Falkenberg Gymnasiumsskola in Schweden teilnehmen.

Da ich mit dem Flugzeug angereist bin, verlief die Anreise sehr komfortabel. Auch die Weiterreise von Göteborg nach Falkenberg mit Bus und Bahn war sehr angenehm.

In Falkenberg holte mich Patrick Huisken, ein Lehrer der Schule, den ich auf einer Erasmus-Fortbildung in Florenz kennengelernt hatte, am Bahnhof ab. Er zeigte mir den Standort der Schule und die wichtigsten Gebäude in Falkenberg und brachte mich zu meinem Hotel. Falkenberg ist eine nette kleine Hafenstadt in Südschweden an der Ostseeküste, in etwa in der Mitte zwischen Göteborg und Malmö. Von der Größe her ist sie mit Schrobenhausen vergleichbar.

Am Montagmorgen um Acht ging es in die Schule. Das schwedische Schulsystem ist ein wenig anders strukturiert als das Deutsche. Hier gehen die Schüler bis zur 10. Klasse auf eine Gesamtschule, sodass die eigentlichen Gymnasien erst danach beginnen. Das Gymnasium in Falkenberg beinhaltet neben den klassischen Fächern, die wir kennen, auch eine stärkere Einbindung von sozialwissenschaftlichen, wirtschaftlichen und berufspraktischen Fächern. Trotzdem kommt einem vieles bekannt vor. Normalerweise dauert der Unterricht auch deutlich länger als bei uns, er endet meist erst gegen 16 Uhr. Insofern ist es für die Schüler normal in der Schule ein (für sie kostenfreies) Mittagessen zu sich zu nehmen. Auch die Lehrer verbringen deutlich mehr Zeit in der Schule als bei uns. Sie besitzen einen festen Arbeitsplatz in kleinen Büros und sind in dieser Schule angehalten die normale Wochenarbeitszeit von 37 Stunden in der Schule zu verbringen. Dieses mehr an Zeit, welches die Menschen in der Schule verbringen, spiegelt sich auch in den Räumlichkeiten wider. Neben den normalen Klassenzimmern (die ähnlich wie bei uns ausschauen) stehen den Schülern und Lehrern eine Vielzahl von Räumlichkeiten aller Größe zum Arbeiten zur Verfügung.

Insgesamt ist die Unterrichtsatmosphäre in Schweden (bzw. am Falkenberg Gymnasium) etwas freier und offener als bei uns. Es wird weniger Wert auf Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit und Unterrichtsdisziplin gelegt. Die Anzahl an verpflichtenden Prüfungen und Tests scheint ebenfalls etwas geringer zu sein. Mir wurde gesagt, dass es auch schwieriger ist die Schüler zu kontrollieren. So ist eine Pflichtwiederholung der Jahrgangstufe nicht vorgesehen. Auch eine Zulassungsvoraussetzung zur Abschlussprüfung (Abitur) ist nicht vorhanden. Dies führt dazu, dass manche Schüler dann nach den drei Jahren die Abschlussprüfung nicht schaffen. Insofern würden sich die meisten schwedischen Lehrer, mit denen ich gesprochen habe, wünschen, dass sie stärkeren Einfluss auf die Schulkarrieren der Schüler nehmen und ein paar zusätzliche Hürden einbauen könnten. Trotzdem ist die Unterrichtsatmosphäre meist gut und konzentriert und mein subjektiver Eindruck war, dass die Schüler auf einem ähnlichen Lernniveau arbeiten wie bei uns. In Bereichen wie freies Präsentieren und Teamarbeit scheinen sie zum Teil sogar geübter zu sein.

Ich besuchte am Montag ein paar Unterrichtsstunden, wobei es in Schweden neben der eigentlichen Biologie auch das Fach Naturkunskap unterrichtet wird, welches neben rein biologischen Themen ein wenig mehr den Fokus auf soziale Themen wie Ernährungs- und Umweltaspekte legt.

Am Dienstag wollte ich mir eine Doppelstunde Chemie anschauen. Aber erstmal legte ein Feueralarm die Schule lahm. Wie bei uns musste das gesamte Schulgebäude evakuiert werden und man wartete draußen, bis es sich als Fehlalarm herausgestellt hatte.

Auch die restlichen Tage verbrachte ich mit Unterrichtsbesuchen und Gesprächen mit den Lehrern. Wobei es relativ schwierig war, einen festen Stundenplan zu bekommen, da sich ein Teil der Stunden überschneidet. Leider konnte ich mir insgesamt nur eine Doppelstunde in Geographie anhören, da dieses Fach in Schweden einen noch geringeren Stellenwert als bei uns besitzt.

Warum „Schule der tausend Hausmeister“? Was mir ziemlich früh auffiel, war, dass im Schulgebäude etliche Erwachsene mit ein oder zwei roten Werkzeugkästen in der Hand herumliefen. So dachte ich, dass die Schule sehr gut mit Hausmeistern ausgestattet ist. Aber das waren alles Lehrer. Diese haben von der Schule jeweils zwei „Werkzeugkästen“ zur Verfügung gestellt bekommen. In einem bewahren sie ihre Stifte für die Whiteboards auf, in dem anderen sollen sie am Beginn des Unterrichts die Handys der Schüler einsammeln. Da das Einsammeln von Handys erst seit diesem Schuljahr durchgeführt wird, ist es für die Schüler und Lehrer noch nicht wirklich zur Selbstverständlichkeit geworden.

Interessant fand ich auch die Tatsache, dass in allen Chemie- und Bioräumen aus Sicherheitsgründen eine richtige Notdusche installiert ist und nicht nur wie bei uns eine Augendusche.

Gespräche über die Nutzung von KI in der Schule: Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit Björn, der versucht, KI an der Schule zu implementieren. Sie haben an der Schule nie versucht es wirklich zu verbieten, sondern sind von Anfang an den Weg gegangen, die Schüler dazu zu bringen KI sinnvoll einzusetzen. Dies führt sogar soweit, dass sie grob die Fragen von Tests vorher ausgeben, um nachher zu schauen, ob die Schüler die richtigen Informationen herausgezogen haben. Ähnlich wie bei uns gibt es schulinterne Fortbildungen für die Lehrer zum sinnvollen Einsatz von KI im Unterricht. Da Falkenberg hierfür eine Art Modelschule darstellt, deutlich umfangreicher als bei uns (drei Phasen mit Evaluation).

Am Freitagnachmittag nahmen mich noch ein paar Lehrer der Schule mit auf einen Afterwork Drink. Wir hatten eine umfangreiche Diskussion über das Problem, dass in schwedischen Schulen die Präsentationskompetenz höher gewichtet ist als die Wissenskompetenz.

Nach einer Woche voller Eindrücke bin ich dann samstags nach einem Tag Sightseeing in Göteborg zum Ausklang gut wieder in Deutschland gelandet.

Ich möchte mich ganz herzlich bei allen denen bedanken, die mir diese Woche in Schweden ermöglicht haben, insbesondere bei meiner Familie, dem Erasmusteam der Schule, der Schulleitung und natürlich bei all den Kollegen die die Vertretungen für mich gehalten haben.

Rainer Stiefken

Fotos: Rainer Stiefken

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