Die Münchner Philharmoniker eröffneten mit dem 1. Jugendkonzert die bekannte Abo-Reihe. Malte Arkonas Moderation ist gewohnt witzig bis bissig und Anja Bihlmaier als Dirigentin souverän. Unsere Schüler sind (fast) ganz vorn mit dabei und genießen die Aussicht (vom ersten Parkettrang links) auf die große Bühne.
Diesmal war der Kontext hoch politisch: Das Programm begann mit – Dmitrij Schostakowitschs Konzert für Violoncello und Orchester (Nr. 1 in Es-Dur op. 107): der rechnet darin mit Stalin ab und fasziniert gleichzeitig unsere Schüler. Vom “aufregenden Cellisten” (Nicolas Altstaedt, Violoncello) und seiner “beeindruckenden Bogenführung” bis hin zu den tollen “Glastonpassagen” im künstlichen Flageolett, war danach die Rede.
Am betroffen machendsten war sicherlich das zweite Stück über König Ubu (Musique pour les soupers du Roi Ubu) von Bernd Alois Zimmermann, dessen Vita zuvor in einem eigens produzierten “Meet the Artist” – Ausschnitt einfühlsam dargestellt und im Zusammenhang des Stücks auch kontextualisiert wurde. Zimmermann schuf hier eine Collage – also ein Stück zusammengesetzt aus musikalischen Zitaten: Selbstzitat, Wallkürenritt, Stockhausen, Mozart und und und – am besten alles gleichzeitig, für Orchester (wohlgemerkt ohne hohe Streicher) und Combo. Die Künstler, die in der Collage “zu Wort” kommen, so erzählt es das Stück, nehmen hier die Einladung des König Ubu an und wohnen der Aufführung eines Ballet noir – eines bitterbösen Balletts – bei, das aus mehreren Stücken besteht. Während des letzten davon (Marche du décervellage) werden die Künstler von diesem ermordet und über Falltüren “entsorgt”. Dargestellt durch “morbide Glockenschläge” (so ein Schüler) und ein repetitives, gar nicht enden wollendes Schlagwerk-Grollen, das seinen tödlichen Sound bis in die letzten Knochen sickern lässt. Geschockt-begeisterter Applaus brandete im Saal auf und Zimmermanns Tochter als Überraschungsgast in den Rängen wurde frenetisch bejubelt.
Der Schülerkommentar „auf (Maurice) Ravels Walzer hätte ich nicht tanzen können“ fasst wohl das letzte Stück des Abends sehr gut zusammen. Auch dieses fulminante Werk („La Valse“ Poème chorégraphique pour orchestra) für großes Orchester, präsentiert Malte Arkona für alle im Publikum verständlich, indem er es mit dem Tanzorchester auf der Titanic vergleicht: es lässt die Beine gleichermaßen tänzeln und sich verknoten.
Das bunt gemischte Jugendpublikum in der Isarphilharmonie hat den anspruchsvollen Abend gefeiert!