Mein Erasmus+-Abenteuer in Argelès-sur-Mer

Frankreich hat mich überrascht und das sagt jemand, der nicht leicht zu überraschen ist.

Mein Aufenthalt führte mich nach Le Racou, einer kleinen Küstengemeinde im Süden Frankreichs. Die Region wirkt auf den ersten Blick französisch, ist aber stark vom katalanischen Einfluss geprägt. Jede zweite Person hatte spanische oder katalanische Wurzeln, was sich vor allem in der Küche widerspiegelte. Das Essen war mediterran, voller Meeresfrüchte, mit Gerichten wie Paella, eher spanisch als klassisch französisch.

Jeden Morgen fuhren wir mit dem Bus zur Schule nach Argelès-sur-Mer. Das Schulleben unterschied sich deutlich von Deutschland, dreimal pro Woche ging der Unterricht bis 17:45 Uhr. Die Schulkantine hat mich positiv überrascht: Für 4,50€ gab es täglich eine ordentliche, oft sogar gehobene Mahlzeit, weil die Schule ein eigenes Hotel mit Restaurant betreibt, in dem Schüler der Hotelfachrichtung praktisch ausgebildet werden.

Was mich jedoch am meisten beeindruckt hat, waren die Menschen. Überall wurde man herzlich aufgenommen, offen und ohne die Reserviertheit, die ich aus dem deutschen Alltag kenne. Meine Gastfamilie hat mir gezeigt, wie sehr die Menschen dort auf innere Zufriedenheit achten anstatt sich zu stressen. Materieller Wohlstand spielt dabei eine untergeordnete Rolle, viele fahren ältere Autos, aber die Lebensfreude, die man täglich spürt, sucht ihresgleichen. Das ist kein Vorwurf an uns Deutsche, sondern einfach eine ehrliche Beobachtung, die mich zum Nachdenken gebracht hat.

Ein besonderes Highlight hatte ich noch obendrauf: Der Vater meiner Gastfamilie ließ mich seinen 1964er Mercedes SL fahren. Ein Moment, den ich so schnell nicht vergesse.

Sprachlich war es anfangs eine echte Herausforderung, da etwa 95% der Menschen kein Englisch sprechen und ich von Anfang an auf Französisch angewiesen war. Mit der Zeit wurde es leichter und gegen Ende konnte ich Gespräche führen ohne jeden Satz vorher im Kopf zu übersetzen. Sprache lernt man eben am besten wenn man keine andere Wahl hat.

Außerhalb der Schule verbrachten wir fast täglich am Meer. Wir wohnten nur 50 Meter davon entfernt, morgens aufwachen und direkt das Rauschen der Wellen hören, das war ein Gefühl das man nicht beschreiben kann. Zusammen mit Freunden spielten wir Fußball oder fuhren nach Collioure, einer wunderschönen Stadt mit einer malerischen Hafengegend, die für sich allein schon eine Reise wert ist.

Frankreich hat mir gezeigt, dass Zufriedenheit und Dankbarkeit mehr wert sein können als materieller Erfolg. Wie glücklich die Menschen dort im Alltag waren hat wirklich etwas in mir ausgelöst und das nehme ich als wertvollste Erinnerung mit nach Hause.

Arda, 11a

 

 

Von der Europäischen Union finanziert. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die der Autorin/des Autors bzw. der Autorinnen und Autoren und spiegeln nicht notwendigerweise die der Europäischen Union oder der Nationalen Agentur wider. Weder die Europäische Union noch die Nationale Agentur können dafür verantwortlich gemacht werden.